Lecker Liebe – Deine Rezepte für jeden Tag

Als ich zum ersten Mal den kleinen Hafen von Saint-Malo betrat, war es früher Morgen, der Nebel hing noch zwischen den Steinkaien, und aus einer winzigen Crêperie drang der Duft von zerlassener Butter und leicht karamellisiertem Teig. Ich hatte – damals noch als junger Koch in Ausbildung – nur eine Blechbüchse mit Sternen drauf und mein Kochmesser im Rucksack. Die Chefin, eine raue Bretagne-Dame namens Yvette, winkte mich herein. „Tu veux apprendre, gamin?“ Ich wollte. Sie ließ mich 200 Crêpes am Tag braten, bis ich das Handgelenk richtig drehen konnte. Die Pfanne war schwer, das Feuer heiß, und jede Crêpe durfte keine dunklen Flecke bekommen.
Heute, viele Jahre später, stehe ich in meiner eigenen Küche. Der Anlass: meine Tochter hat Geburtstag und wünscht sich ein Crêpe-Party-Buffet – bunt, süß, herzhaft, für Freunde mit und ohne Gluten, mit und ohne Tierprodukte. Also nehme ich die alte Technik aus Saint-Malo, verfeinere sie mit ein paar kulinarischen Geheimnissen, die ich auf Reisen durch Frankreich, Italien und Japan gelernt habe, und schreibe alles nieder – für dich, für mich, für alle, die endlich perfekte Crêpes hinbekommen wollen.
Nimm die Eier 30 Minuten vorher aus dem Kühlschrank, damit sie Zimmertemperatur haben. Kalt verklumpt der Teig später leichter.
In eine hohe Schüssel geben, eine Prise Salz hinzufügen und mit dem Schneebesen 1 Minute kräftig schlagen, bis sich ein feiner Schaum bildet. Das ist wichtig – dadurch wird die Crêpe später luftiger.
Milch lauwarm erhitzen (nicch kochen, nur bis 35 °C), Zucker einrühren. Dadurch löst sich der Zucker sofort und hinterlässt keine Körnchen.
Mehl zweimal sieben – wirklich kein Scherz. So vermeidest Klümpchen. Unter ständigem Rühren gießt du nun die Milch in einem dünnen Strahl in die Eier. Zum Schluss fügst du die noch flüssige, aber nicht heiße Butter hinein.
Frischkontakt verhindern: Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche pressen. Mindestens 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen, besser 2 Stunden oder über Nacht.
Eine Eisenpfanne aus Stahl oder Gusseisen ist ideal. Erhitze sie auf mittlerer Stufe, bis ein Wassertropfen „perlend“ tanzt. Erste Butter – nur ein Hauch – mit einem Küchenpapier verreiben.
60 ml Teig (eine mittlere Kelle) in die heiße Pfanne gießen. Sofort durch kippen und kreisende Handbewegungen verteilen. Armbewegung kommt aus dem Handgelenk, nicht aus dem Ellenbogen.
Wenn die Oberfläche mattiert ist (ca. 45 Sekunden), den Rand mit einem dünnen Pfannenwender anheben. Löst sich die Crêpe, unterhebe den Spatel und wende sie.
Zweite Seite braucht nur 20 Sekunden. Sofort herausnehmen, auf einen Teller legen, ein Stück Butter darüber gleiten und mit einem Tuch abdecken. So bleibt der Stapel geschmeidig.
Backofen auf 60 °C, leicht angelehnte Tür – so entweicht Feuchtigkeit. Nicht heißer, sonst kocht der Teig weiter und wird gummiartig.
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Weitere Ideen
Gekochte Crêpes lagenweise mit Backpapier trennen, in Frischhaltefolie wickeln und bis zu 2 Tage im Kühlschrank lagern. Vor dem Servieren kurz in die Pfanne oder 10 Sekunden in die Mikrowelle (800 W) zwischen zwei feuchten Papiertüchern erhitzen.
Roher Teig hält sich bis zu 24 Stunden, wenn ihr ihn luftdicht verschließt. Länger ruhen lässt die Milch säuerlich werden. Wer vorausplant, friert den Teig portionsweise in Gefrierbeuteln ein – bis zu 2 Monate. Auftauen über Nacht im Kühlschrank, kurz aufschlagen, fertig.
Tiefgekühlte Crêpes einzeln einfrieren, immer mit einem Trennpapier. Direkt aus dem Froster in die Pfanne geben, 1 Minute pro Seite – schmecken wie frisch.
Resteverwertung
Ausgetrocknete Crêpes in feine Streifen schneiden, kurz in kochende Gemüsebrühe geben – fertig sind hausgemachte „Crêpe-Tagliatelle“.
Perfekte Crêpes sind kein Hexenwerk – sie verlangen nur Geduld, die richtige Hitze und Liebe zum Detail. Mit der Ruhephase, dem richtigen Schwenk und einem guten Auge für die goldene Farbe wirst du künftig jedes Mal Erfolg haben.
Häufige Fragen
Einfach 10 Sekunden mit dem Stabmixer durchmixen und anschließend 5 Minuten ruhen lassen.
Pfanne war nicht heiß genug oder zu viel Butter – das macht sie fettig und gummiartig. Teste Hitze mit Wassertropfen, Butter nur dünn einreiben.
Ja, aber max. 50 % des Mehls ersetzen, sonst wird die Crêpe bröselig. 1 EL Speisestärke pro 100 g Vollkornmehl verhindert Bröckeln.
Alle Füllzutaten vorher separat braten und abkühlen lassen. Käse als letzte Schicht – er schmilzt und versiegelt.
Klar. Mische 300 g Reismehl + 100 g Maisstärke + 100 g Kartoffelstärke. ½ TL Xanthan hinzufügen für Elastizität.

Perfekte Crêpes wie in der Bretagne – ein Leben lang gelingen